Ralph Dalibor

Beratung – Training – Mediencoaching

Wofür eignen sich WhatsApp und Co?

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Unternehmenskommunikation ohne die Einbindung von Social Media ist mittlerweile fast undenkbar. Noch immer hat Facebook die meisten Nutzer; zumindest wenn man deren Definition des „monthly active user“ zu Grunde legt. Aktiv ist laut Facebook, wer einmal im Monat seinen Facebook-Account aufruft. Wenn das die Grundlage ist, dann wären demnach auch alle Menschen, die einmal in Monat ein Glas Bier trinken, Alkoholiker. Das ist natürlich Quatsch! Die korrekte Zahl der Facebook-Nutzer dürfte deshalb in der Realität deutlich unter den Angaben von Facebook liegen. Auch aus diesem Grunde  ist Facebook nicht mehr so wichtig für die Unternehmenskommunikation, wie noch vor ein paar Jahren. Viel interessanter als Facebook und deren Statistiktricks sind heute die Entwicklungen bei den Messenger. Wie können WhatsApp, Telegram oder Threema in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden? Dieser Frage geht die Artikelreihe nach. Zuerst ist WhatsApp dran. Texte zu Telegram und Threema folgen. 

Was geht ab? (WhatsApp)

Der Name WhatsApp basiert auf der Amerikanischen Frage: What’s up? Also: Was ist los? oder Was geht ab? Daraus machten die Programmierer der App, Jan Koum und Brian Acton, den Namen WhatsApp. Das Unternehmen WhatsApp Inc. wurde bereits 2009 in Santa Clara, Kalifornien, gegründet. Im Februar 2014 hatte WhatsApp rund 450 Millionen User. Zu dem Zeitpunkt wurde die Firma von Facebook für 19 Mrd. US$ gekauft. Anfang 2015 waren es bereits 800 Mio. Nutzer und heute dürfte die Grenze von 1 Mrd. Nutzer überschritten sein.

Was macht WhatsApp so sexy?

Nach der Installation ist eine Registrierung mit der Handynummer notwendig. Dabei gewähren viele Nutzer WhatsApp Zugriff auf alle gespeicherten Kontakte. Der Vorteil: Alle in der Liste aufgeführten Personen sind auch bei WhatsApp und können sofort angeschrieben werden. Und alle Menschen, bei denen der Nutzer in den Kontaktdaten steht, können jetzt auch sofort schreiben. Doch nicht nur Textnachrichten sind möglich. WhatsApp sendet und empfängt auch Foto-, Kontakt-, Video- und Audiodateien. Seit März 2015 können auch Telefonate über die App geführt werden. Das ist für Nutzer weltweit interessant. Schließlich fallen für die Nutzung der Angebote keine zusätzlichen Gebühren an, denn WhatsApp ist seit Anfang des Jahres – nach einigem Hin- und Her – wieder für alle Nutzer kostenlos. Es sind also lediglich ein Smartphone, WhatsApp und ein entsprechendes Datenvolumen bzw. eine dauerhafter WLAN-Zugang notwendig. Schon kann es losgehen! Es gibt also zwei Gründe, die für WhatsApp sprechen: 1. die einfache Installation und 2. die enorme Anzahl an Nutzern.

Ist alles Gold, was glänzt?

Die meisten Nutzer weltweit, kostenlos, einfach Installation, diverse Dateiformate und telefonieren möglich: soweit die Vorteile.  Welche Nachteile hat WhatsApp? Vor allem gibt es Vorbehalte wegen der Daten. Das beginnt bereits bei der Installation. Die Angabe der Handynummer ist obligatorisch. Diese Nummer wird in den USA auf den Servern von WhatsApp gespeichert. Genauso ergeht es allen Personen, die in den Kontakten des neuen Nutzers stehen. So bekommt WhatsApp auch Daten von Menschen, die den Messenger gar nicht nutzen (wollen). Der Umgang mit den Daten ist auch bei der Nutzung das Problem. Alle Nachrichten landen auf den Servern von WhatsApp: Alle Bilder, Videos, Textnachrichten. Und an allen gibt der Nutzer seine Rechte ab. Jedes bei WhatsApp einem Freund zugeschickte Foto darf vom Unternehmen beliebig genutzt werden. Jedes Telefonat kann gespeichert werden. (eine unabhängige Kontrolle, ob das passiert, findet nicht statt.). Alle Nachrichten – ganz gleich welcher Art – werden derzeit nur zwischen Android-Geräten verschlüsselt übermittelt. Bei anderen Systemen oder einer Mischung (z.B. von Android zu iPhone) findet keine Verschlüsselung statt. WhatsApp will das ändern; allerdings ist nicht bekannt, wann das passieren wird.

Aktualisierung (6. April): Seit gestern bietet WhatsApp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Allerdings ist der Weg dorthin nach derzeitigen Stand, etwas kompliziert. Die WhatsApp-Nutzer müssen sich entweder einen 60-stelligen Code zusenden oder persönlich treffen und über das Einscannen eines QR-Codes sich gegenseitig ihre Identität bestätigen. Nur dann – so scheint es – gibt es eine sichere Verschlüsselung. Unterbleibt dieser Schritt der Authentifizierung bleibt es beim offenen Austausch ohne Verschlüsselung. (Ich wäre für eine große WhatApp-Verschlüsselungsparty. Wäre doch interessant, wie viele der 1 Milliarden Nutzer wirklich kommen würden.) Das Verfahren erinnert ein wenig an Threema, die seit Jahren eine ähnliche Variante der Authentifizierung haben. Das neue Verfahren, wenn es sich denn jemals durchsetzen sollte, ändert auch nichts daran, dass alle Daten auf den WhatsApp-Severn in den USA liegen. Und wie sicher die sind, weiß seit Edward Snowden jeder Informierte. Datensicherheit sieht anders aus. Und eine weitere wichtige Frage wird nicht beantwortet:

Womit verdient WhatsApp Geld?

Die Gretchenfrage ist jedoch: Womit verdient WhatsApp Geld? Ein börsennotiertes Unternehmen wie Facebook wird irgendwann damit anfangen müssen, Geld zu verdienen. Schließlich hat Facebook 19 Milliarden Dollar für WhatsApp ausgegeben. Das haben die sicher nicht gemacht, weil sie das Geld gerade in der Schublade hatten. Auf WhatsApp gibt es keine Werbung und die Firma behauptet auch, dass die Daten der Nutzer nicht verkauft werden. Die Verbindung zu Facebook legt jedoch nahe, dass die Daten der Nutzer – vermutlich zusammen mit den bei Facebook generierten Daten – genutzt werden, um Nutzerprofile anzulegen. Diese Daten werden dann ganz sicher verkauft. Bekanntermaßen ist es möglich, mit solchen Nutzerprofilen viel Geld zu verdienen. Was ansonsten noch mit den riesigen Datenmengen passiert, wer die Information noch nach interessanten Details durchsucht, ist nicht bekannt. Und es gibt wohl niemanden der ernsthaft glaubt, dass WhatsApp dauerhaft darauf verzichtet, mit den Daten seiner Nutzer Geld zu verdienen.

Fazit

Ist WhatsApp ein geeignetes Kommunikationssystem für ein Unternehmen? Die Antwort ist einfach: Nein! Zu groß ist die Gefahr, dass interne Daten in die falschen Hände gelangen. Welches Unternehmen möchte beispielsweise, dass interne Bilder, Pläne, oder Videos, etc. über WhatsApp verbreitet werden? Telefonieren über WhatsApp? Keine Alternative zum Festnetz oder einem Telefonat mit dem Handy. Auch die Probleme mit Kunden sollten nicht über WhatsApp diskutiert werden. Dafür gibt es technisch besser geeignete Systeme. Doch diese Wege sollten den Kunden dann auch wirklich angeboten werden! Wer seine Daten und die Daten seiner Kunden in Sicherheit bringen möchte, sollte auf den Einsatz von WhatsApp in der Unternehmenskommunikation verzichten. Die Vor- und Nachteile von Telegram werden im nächsten Text dargestellt.

 

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