Ralph Dalibor

Beratung – Training – Mediencoaching

Was zählt mehr: Erfahrung oder Studium?

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Die Frage, was denn wichtiger ist, langjährige Erfahrung oder ein aktuelles Studium kann sicher nicht endgültig beantwortet werden. Und wenn es eine Antwort gibt, dann hat sie sicher auch etwas mit dem Alter der antwortenden Person zu tun. Junge Menschen haben halt noch nicht so viel Erfahrung. Woher auch? Wenn also unterm Strich stehen würde: Das hängt davon ab…, dann wäre die Antwort wohl nachvollziehbar.

Aber wovon hängt es ab? Ein Blick auf den Arbeitsmarkt und die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern offenbart eines: Ab einem bestimmten Alter (in manchen Branchen bereits ab 40 Jahren) zählt das Studium mehr, als die Erfahrung. Schließlich ist bei unter 40-jährigen das Studium noch nicht lange her, so dass die Chance besteht, aktuelleres Wissen zu bekommen. Das würde zumindest erklären, weshalb ehemalige Führungskräfte ab einem bestimmten Alter kaum noch einen adäquaten Job bekommen.

Doch stimmt es wirklich, dass junge Menschen mehr aktuelles Know-how besitzen? Ein Blick auf die Arbeitswelt gibt klare Antworten. Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter sind ein wichtiger Markt. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass es notwendig ist, alle Mitarbeiter kontinuierlich zu qualifizieren. So wird sicher gestellt, dass sie möglichst lang nützlich sind für den Arbeitgeber. Doch wenn das so ist, dann hätten ältere Mitarbeiter doch sogar deutliche Vorteile gegenüber jüngeren Bewerbern; denn ältere sind demnach nicht nur gut qualifiziert (aktuelles Know-how), sie besitzen darüber hinaus noch Berufs- und Lebenserfahrung! Diese Kombination müsste eigentlich dazu führen, dass Menschen ab 40 Plus laufend Stellen angeboten werden. Doch das Gegenteil ist der Fall! Die Zahl der älteren Arbeitslosen steigt und die Zahl der jungen Menschen mit Job steigt auch. Zählt Erfahrung also nicht so viel wie Jugend, Unerfahrenheit und aktuelles Studium?

Das ist letztlich nicht die Frage. Denn unterm Strich fließt die Erfahrung bei einer Bewerbung nur am Rande mit ein. Wichtiger sind die äußeren Daten: Alter ist dabei ein wesentlicher Faktor. Wird dort eine Grenze überschritten, kommt es meist gar nicht zu einer Überprüfung des Know-hows. Denn wie sollte Erfahrung in einer Excel-Tabelle – einem wichtigen Instrument der HR – abgebildet werden? Es wäre kaum realisierbar. Da ist es doch einfacher, die erfahrenen, älteren Bewerber einfach auszugrenzen und auf junge Menschen zu setzen. Es geht deshalb letztlich nicht um die Frage: „Was zählt: Erfahrung oder Studium?“, sondern es geht um die Umsetzung von Erfahrung in mathematische Konstrukte. Und weil das zu kompliziert ist und viele Unternehmen die dafür notwendige Zeit nicht aufbringen wollen, schlägt das Pendel oft zugunsten der jungen, eher unerfahreneren Bewerber aus. Das ist bedauerlich. Denn auf diese Art und Weise, fehlt den Unternehmen jeden Tag ein wenig mehr Berufserfahrung. Und sie bekommen jeden Tag ein wenig mehr Unerfahrenheit. Schade!

Herny Ford brachte es einmal auf einen kurzen Nenner: „„Nimm die Erfahrung und die Urteilskraft der Menschen über Fünfzig heraus aus der Welt und es wird nicht genug übrig bleiben, um ihren Bestand zu sichern.“

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